2. November 2009 von Nick Lüthi

Christoph Hugenschmidt: «Sind total unabhängig»

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Christoph Hugenschmidt (51) kennt die Informatikbranche wie kaum ein anderer Journalist. Vor fünf Jahren hat er sein eigenes Online-Medium inside-it.ch gegründet. Und würde es wieder tun.

Inserateeinbruch? Stellenabbau? Krise? Hier nicht. Die Redaktion von inside-it.ch gedeiht prächtig. Eher schmiedet sie Pläne zum weiteren Ausbau, als dass sie den Gürtel enger schnallen müsste. «Zuerst wollen wir aber unsere Löhne erhöhen», sagt Gründer und Mitinhaber Christoph Hugenschmidt – Saläre, die sich im Branchenvergleich zwar am unteren Rand bewegen, aber schon heute 14-mal im Jahr ausbezahlt werden. Das Inselchen der Glückseligen im sturmgeplagten Medienozean befindet sich in einer ehemaligen Fabriketage an der Zürcher Kanzleistrasse. Vor fünf Jahren unternahm Hugenschmidt, zuvor Chefredaktor der Fachpublikation «IT-Reseller», mit einem Redaktionskollegen den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit und gründete inside-it.ch. «In der Informatikbranche bestand das Bedürfnis nach journalistisch aufbereiteten Nachrichten», weiss Hugenschmidt.
Vor einer grossen Fensterfront und im Raum verteilt stehen schmucklose Pulte. In seinem Sessel versunken sitzt Hugenschmidt und tippt vor sich hin. Wenn er sich erhebt, steht plötzlich ein Hüne von einem Mann vor einem und man versteht, dass es nicht nur Koketterie ist, wenn er sagt: «Mir glaubt eh niemand, dass ich Journalist bin.» Handwerker oder Holzfäller würden zumindest vom Äusseren her sicher besser passen. Aber das ist er nicht. Sondern einer der besten Kenner der schweizerischen IT-Branche. Wer mit Informatik zu tun hat, ob als Hersteller, Verkäufer oder Anwender, muss stets mit einem Anruf von Hugenschmidt und seinen Kollegen rechnen.

«Wir sind total unabhängig und lassen uns von niemandem kaufen», sagt der gelernte Buchhändler. Das ist auch als Kritik an den sogenannten Fachmedien zu verstehen, zu denen Hugenschmidt seine Online-Plattform inside-it.ch nicht gezählt wissen will. «Wenn uns jemand fragt, was er tun könne, damit wir über ihn berichten, sage ich einfach: Geht Konkurs, dann ist das für uns eine News.» Diese entwaffnende Direktheit, vorgetragen mit einer für Hugenschmidt typischen schalkhaften Hemdsärmeligkeit, zahlt sich offenbar aus. Von Werbung und Sponsoring leben die sechs MitarbeiterInnen – vier Journalisten, ein Akquisiteur und die Buchhalterin – ganz gut. Das hat sich in der Branche he­rumgesprochen. Immer öfter meldeten sich arbeitslose Kollegen bei ihnen auf der Suche nach einem Job. Leute zum Teil, die noch vor wenigen Jahren die Nase gerümpft hätten und in der Startphase nicht bei inside-it.ch einsteigen wollten. Zu riskant. «Jetzt kommen sie», weiss Hugenschmidt. «Unser Erfolgsmodell ist auch der schlanke Apparat.» Das heisst: volle Konzentration auf den Journalismus – von der schnell geschriebenen Personalie über die aufwendige Recherche bis zur freitäglichen Kolumne.
Die besten Geschichten erfährt er auf Branchenpartys. Hugenschmidt ist ein geselliger Mensch, der es mit allen gut kann. Und in der Branche geniesst er den Respekt, der einem unabhängigen Chronisten gebührt. Kein Prob­lem haben die Informatikmenschen damit, dass Hugenschmidt als Aktivist der Menschenrechtsgruppe Augenauf mitunter pointiert öffentlich Stellung nimmt gegen die Staatsgewalt. «Wer das wissen will, kann und darf das wissen.» Denn für sie sei er Journalist, und das mache er professionell. «Ich könnte nie mit einem weltanschaulich geprägten Job Geld verdienen.»

2. November 2009 von Nick Lüthi

Cheyenne Mackay Loosli: «Setzen eigene Schwerpunkte»

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Mit zwölf war sie Kinderredaktorin bei DRS 3, heute leitet Cheyenne Mackay Loosli (30) die Info-Redaktion des Berner Alternativradios RaBe.

Wenn RadiomacherInnen nach den Wurzeln ihrer Berufung suchen, dann zeichnen sie früher oder später das nostalgieverklärte Bild mit dem Kassettengerät und den «Sendungen» fürs Kinderzimmer. Nicht so Cheyenne Mackay Loosli. Bei ihr ging es gleich richtig zur Sache. Bereits als Zwölfjährige konnte man sie auf DRS 3 hören. «Mehrere Dutzend Kinder hatten sich damals für die Sendung ‹Yoyo› beworben, am Schluss blieb eine Handvoll übrig, darunter auch ich», erinnert sich die heute 30-jährige Radiojournalistin. Mit dieser Berufsbezeichnung konnte sie als Teenager noch nicht viel anfangen: «Radio hat mir vor allem Spass gemacht.» Eine richtige Ausbildung habe sie damals im Studio Basel genossen, erinnert sie sich, inklusive Tonbandschneiden und -montieren; 1991 lag der digitale Schnittplatz noch in weiter Ferne.

Die vier Jahre bei «Yoyo» legten den Grundstein für ihre spätere Laufbahn. Bis heute hält Cheyenne Mackay Loosli dem Radio die Treue. «Mir bleibt ja auch nicht viel anderes übrig», hadert sie mit ihrer beruflichen Perspektive. Das stimmt natürlich nicht ganz. Schliesslich weiss die Journalistin nicht nur im Radiostudio mit dem Mik­rofon umzugehen, sondern auch auf der Bühne. Zusammen mit ihrem Ehemann ist sie das Elektropop-Duo Copy & Paste, mit dem sie seit zwei Jahren in der Schweiz und im angrenzenden Ausland auftritt. «Eine wirkliche Alternative zum Journalismus ist die Musik aber nicht», weiss Cheyenne Mackay Loosli. Trotz Konzertgagen und Plattenverkauf lege sie Geld drauf. Ebenfalls in die Rubrik brotloses Engagement fällt ihre Sendung «Radieschen». Seit zehn Jahren präsentiert sie auf Radio RaBe, ihrem heutigen Arbeitgeber, «ungehörte Musik aus Schweizer Übungsräumen».

Während die Laufbahn vieler Radio­journalistInnen irgendwo im Lokalen anfängt und bei einem Gebührensender der SRG endet, wählte Cheyenne Mackay Loosli den umgekehrten Weg: Sie startete bei DRS, arbeitete dann zuerst als Stagiaire, später als freie Mitarbeiterin beim Bieler Privatradio Canal 3 und leitet nun die dreiköpfige Redaktion des alternativen Lokalradios RaBe in Bern. «Klar würde ich gerne wieder einmal bei SR DRS arbeiten», gesteht die in Basel geborene Bernerin mit südafrikanisch-schottischen Wurzeln. Doch zurzeit geniesst sie die Freiheiten, die ihr der Job beim werbefreien Sender in der Bundesstadt bietet. «Da wir mit unserem kleinen Team gar nicht die Kapazität haben, Tag für Tag die Lokalpolitik abzudecken, setzen wir dafür unsere eigenen Schwerpunkte», umreisst Cheyenne Mackay Loosli die RaBe-Redaktionspolitik. Zu den gern gesehenen Gästen im RaBe-Studio gehören GewerkschafterInnen und BasisaktivistInnen aus aller Welt. Den Vorwurf, damit als unkritisches NGO-Sprachrohr zu fungieren, nimmt die Redaktionsleiterin gelassen entgegen: «Ich kann zwar nicht überprüfen, ob alles stimmt, was mir die Leute sagen. Aber ich finde es extrem wichtig, dass auch jene Menschen eine Plattform erhalten, die in den meisten Medien gar nicht auftauchen oder wenn, dann als anonyme Opfer.»

Cheyenne Mackay Loosli behält ihr Radiofachwissen, das sie in zahlreichen Kursen bei DRS 3, am MAZ und bei Klipp & Klang erworben hat, nicht einfach für sich. Als weiteres berufliches Standbein unterrichtet sie inzwischen selbst bei Klipp & Klang, der Radioschule der nichtkommerziellen Sender. «Zum Unterrichten habe ich keine spezielle Ausbildung, ausser eben die Kurse, die ich selbst besucht habe», sagt die Journalistin. Und nun, beendet sie das Gespräch, müsse sie nach Hause, sechs Abschlussarbeiten durchhören und bewerten gehen.

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