11. November 2009 von Nick Lüthi

Jetzt reden sie wieder von Revolution

Es ist vorerst nicht mehr als eine Ankündigung: Swisscom will ab dem kommenden Jahr zusammen mit den drei grössten Schweizer Medienhäusern Tamedia/Edipresse, NZZ und Ringier einen E-Reader testen. Und schon sehen einzelne Lohnschreiber aus den beteiligten Verlagen am Horizont eine Revolution heraufziehen; Zeitungsrevolution die x-te. Gemach. Die bisherigen Erfahrungen mit Zeitungsinhalten auf E-Reader-Geräten weisen alles andere als in die Richtung einer Revolution. Der Kindle von Amazon, gerne als Überflieger unter den elektronischen Büchern gehandelt, vermag als Alternative zur Zeitung auf Papier überhaupt nicht zu begeistern. «So mag ich Zeitung nicht lesen», schreibt etwa Marcel Bernet. Anti-intuitive Leserführung, zu kleiner Bildschirm, zu wenig Infos pro Seite. Bernets Fazit: «Abwarten und Papier geniessen.» Auch der Hamburger Journalist Thomas Hillenbrand lässt kein gutes Haar am Kindle. Neben den Kritikpunkten, die auch Bernet nannte, findet Hillenbrand die Adaption der Zeitungsgestaltung für die neue Präsentationsumgebung völlig verunglückt:

Kaum eines der auf dem Kindle erhältlichen Blätter scheint sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht zu haben, wie es seine Inhalte für den E-Reader optimieren kann. Stattdessen werden die Papierausgaben 1:1 übertragen.

Auf Swisscom und die drei Schweizer Medienhäuser wartet also noch einiges an Arbeit, wenn sie dem interessierten Publikum eine brauchbare Alternative zum bewährten Papier bieten wollen. Denn die Skepsis bei der potenziellen Leserschaft ist gross. Und ebenso die Ansprüche an ein elektronisches Lesegerät: Ein E-Reader darf nicht zu viel kosten, der Bildschirm sollte farbig sein und das Ganze soll natürlich Vorteile bringen gegenüber der Papierzeitung. So lauten die Ergebnisse einer Untersuchung von Matthias Born, wie sie bei früherer Gelegenheit im KLAREXT zu lesen waren.

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