18. März 2011 von Bettina Büsser

Reichweite «gefällt mir»

Die grossen Tageszeitungen vernetzen sich online mit Social Media wie Facebook und Twitter. «Libysche Sicherheitskräfte beschiessen Trauerzug» – wer den Artikel zu dieser Schlagzeile auf den Newsnetz-Titeln «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Basler Zeitung» und «Bund» online liest, kann ihn seinen Facebook-FreundInnen empfehlen. Und zwar ausgerechnet mit dem Facebook-Signet für «Gefällt mir»: Daumen hoch.
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19. Oktober 2010 von Imelda Stalder

Facebook: Freund oder Feind?

Facebook: Eine verlockende Quelle für Journalisten

Die Verlockung für Journalisten ist gross, Facebook bei Recherchen als riesige Personendatenbank zu benutzen. Doch wie weit dürfen Journalisten bei ihren Recherchen gehen? Mit einem aktuellen Fall hat sich der Presserat beschäftigt.

Im März 2010 reichte ein Nachwuchsfussballer eine Beschwerde gegen den „Blick“ ein, weil sich die Boulevardzeitung unberechtigterweise Zugang zu seinem Facebook-Account verschafft und sein Profilbild sowie andere persönliche Informationen in der Zeitung veröffentlicht habe. Damit hätten die betroffenen Journalisten gegen Artikel 4.2 (verdeckte Recherchen) und 7 (Verletzung der Privatsphäre) der Erklärung der Rechte und Pflichten verstossen, schreibt der Presserat.

Die „Blick“-Redaktion streitet jedoch ab, dem Nachwuchsfussballer auf Facebook fingierte Freundschaftsanfragen geschickt zu haben, um so an seine persönlichen Daten heranzukommen, und verwies darauf, dass Facebook, wie auch das gesamte Internet, keine Privatheit kenne. Zudem habe man das Gesicht des jungen Manns mit einem schwarzen Balken unkenntlich gemacht. Dem Presserat reichte das allerdings nicht. Er entschied, dass die „Blick“-Journalisten zwar nicht unlautere Methoden bei der Recherche verwendet hätten, aber die Privatsphäre des Betroffenen dennoch verletzten, da das Facebook-Bild unzureichend verfremdet wurde.

Zudem ist der Presserat der Ansicht, dass Informationen auf Facebook zwar weltweit abrufbar sind, dies aber nicht automatisch bedeute, dass eine Person damit bereit sei, ihre veröffentlichten Informationen für ein breites Publikum freizugeben. Soziale Netzwerke wie Facebook, seien zum Austausch von Bildern und Informationen unter Privatpersonen da und würden weniger der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dienen, so der Presserat.

Das Web 2.0 und Facebook werden die Medienwelt in Zukunft noch stark beschäftigen. Die Frage, ob soziale Netzwerke als Rechercheinstrument verwendet werden dürfen, scheint überflüssig – entscheidend ist vielmehr, wie Medienschaffende mit den persönlichen Daten umgehen, die sie dort finden.

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