4. Oktober 2010 von Lukas Bertschi

SVP Schwyz: Inserate nur gegen Gehorsam

Die SVP des Kantons Schwyz hat die Zeitung “Bote der Urschweiz” gebeten, ihre Medienmitteilung ungekürzt und unverändert zu publizieren. Dieser Wunsch ist nicht weiter ungewöhnlich. Der SVP Kantonalsekretär Olivier Kessler setzte aber noch eins drauf: “Wir werden als Partei dieses Mal darauf achten, ob diese Kriterien eingehalten wurden und unsere Inserate dementsprechend jenen Medien in Auftrag geben, die unsere Medienmitteilung so veröffentlichen, wie sie eingesandt wurde.”

Es ist verständlich, dass eine Partei in möglichst gesinnungsnahen Medien inseriert. Es grenzt aber an dreiste Gängelung, wenn eine Partei offiziell und schriftlich die redaktionelle Arbeit mit der Aufgabe von Inseraten zu beeinflussen versucht. Es erstaunt aber doch einigermassen, dass die Medien, mit einer Ausnahme, nicht auf die dreiste Drohung der SVP-Schwyz reagiert haben. Einzig im Sonntagsblick stand zu lesen, wie die SVP Schwyz “versucht, ihre Rolle als Grosskundin auszuspielen”.

Von eben solchen “Grosskunden” dürfen sich Medien nicht beeinflussen lassen, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen wollen; die redaktionelle Unabhängigkeit muss vor der wirtschaftlichen Abhängigkeit stehen. Josias Calvadetscher, Chefredaktor beim “Bote der Urschweiz”, hielt dem Druck der SVP stand: Parteien hätten keinen Anspruch darauf, dass  seine Zeitung Einsendungen unverändert veröffentlichen würde.

1. Oktober 2010 von Philippe Wenger

Schein und Sein

Dass sich Werbeabteilungen und PR-Büros alle Mühe geben, dem Publikum Dinge vorzugaukeln, die nicht sind, ist allgemein bekannt. Dass sich Medien dazu hergeben, diesen Schwurbel prominent zu transportieren leider auch. Ein Paradebeispiel für mehr Schein als Sein liefert  die sogenannte „Immobilien-Zeitung“, die heute der NZZ beiliegt. Aufgemacht in konventionellem Zeitungslayout, das zwar mehr nach Tagi als nach NZZ aussieht, liegt das Werbeblatt als zusätzlicher Bund bei.

Auf der Titelseite rührt Michael Ringier (bei dessen Verlag diese XXL-Publireportage gedruckt wurde) in einem Interview die Werbetrommel für den Herausgeber der Nicht-Zeitung, die Immobilienfirma Walde und Partner. In einem als „Kommentar“ verkleideten Beitrag schwadroniert Komiker Mike Müller über den Charme von Altbauten.

Klar als PR gekennzeichnet sind die Beiträge – abgesehen vom durchgängigen Heile-Welt-Ton – nur an wenigen Stellen. Autorenzeilen gibt es praktisch keine und Bildquellen werden auch nicht genannt (wobei angenommen werden darf, dass die meisten im Hause entstanden sind).

Warum das Blatt diesmal im Tagi-Layout daherkommt, ist nicht ersichtlich, zumal es der NZZ beiliegt. Begonnen hat diese versuchte Täuschung im Jahr 2006; damals imitierte Walde&Partner noch die Zürcher Landzeitungen.

Zu hoffen bleibt nur, dass die NZZ kräftig an dieser Un-Zeitung verdient und damit richtigen Journalismus finanziert – und dass die Leser diesen zwischen all dem Schein-Journalimus noch erkennen.

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