12. Oktober 2010 von Nick Lüthi

NZZ: Schweigen in eigener Sache

In einer heute veröffentlichten Stellungnahme vom 24. September rügt der Presserat die NZZ. Das Blatt habe mit seiner Berichterstattung zu einem Gerichtsfall die Ziffer 7 der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» (Unschuldsvermutung) verletzt. Es ging um ein erstinstanzliches Urteil gegen den Zürcher Fotografen Klaus Rozsa wegen übler Nachrede und Beschimpfung. In ihrer Berichterstattung hatte es die Zürcher Zeitung unterlassen, darauf hinzweisen, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Im betreffenden Artikel, befand der klagende Rozsa, «werde die erstinstanzliche Verurteilung als rechtskräftig dargestellt und der Vorwurf, wonach er einen Polizisten bespuckt und als Nazi beschimpft haben soll, als unumstössliche Tatsache umschrieben. Damit habe die NZZ seine Persönlichkeit und die Unschuldsvermutung verletzt». Zu diesem Schluss kommt auch der Presserat und heisst deshalb die Beschwerde gut.
Der betroffenen NZZ ist das alles keine Zeile wert, obwol sie sonst zu Fragen von Medien und Ethik kontinuierlich und kompetent berichtet. In eigener Sache gibt man sich an der Falkenstrasse offenbar lieber zurückhaltend und diskret. Über die beiden anderen heute publizierten Stellungnahmen des Presserats berichtet die Alte Tante sehr wohl.

Ergänzung, 13. Oktober:
Die NZZ berichtet heute online und auf Papier über die Stellungnahme des Presserats. Weshalb die Zürcher Zeitung gestern nur die beiden Stellungnahmen zu Tages-Anzeiger und NZZ am Sonntag thematisiert hat, nicht aber die das eigene Haus betreffende, erklärt NZZ-Online-Redaktorin Isabelle Imhof in diesem Kommentar.

15. Februar 2010 von Nick Lüthi

Presserat: «Blick» verletzt Privatsphäre

Wir haben es im letzten Sommer vorausgesagt, nun ist es soweit. Mit seiner Artikelserie zu einer Gemeindeangestellten, die sich in ihrer Freizeit in Sado-Maso-Posen ablichten liess, hat der «Blick» gegen Ziffer 7 der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» verstossen und damit die Privatsphäre der betroffenen Frau verletzt. Zu diesem Schluss kommt der Presserat. Das Selbstkontrollorgan hat am 7. Januar die Beschwerde einer Privatperson gegen die identifizierende Berichterstattung der Boulevardzeitung gutgeheissen.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr