7. September 2010 von Nick Lüthi

«Mit harten Fakten Schlagzeilen machen»

Die Sonntagszeitung schafft ein Recherche-Desk. Was man sich darunter vorstellen muss, erklärt Martin Stoll, der die neue Stelle leitet.

Seit jeher geht den Sonntagszeitungen der Ruf voraus, im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit besonders harten Bandagen zu Werke zu gehen. Was dabei herauskommt, fällt mitunter in die Gattung des «Mid-Risk-Journalismus». Wobei zur Entlastung angemerkt werden muss, dass die Inkaufnahme von Halbgarem und Halbwahrem nie das exklusive Privileg der Sonntagspresse war. Und natürlich gilt auch: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Anders als die Tageszeitungen kennt man im Nachrichtengeschäft am Sonntag kaum Pflichtstoffe, alles ist Recherche und die gestaltet sich tückenreicher als das pflichtbewusste Abhandeln einer Medienkonferenz.
Die Sonntagszeitung (Tamedia) unternimmt nun einen Effort und will die Recherchekultur stärken. Dazu schafft das Blatt ein Recherche-Desk, wie einer aktuellen Mitteilung zu entnehmen ist. Diese Neuerung zeigt sich weniger in baulichen, sondern in personellen Massnahmen. Martin Stoll, für seine Recherchen mehrfach ausgezeichneter Journalist und seit 15 Jahren Redaktor der Sonntagszeitung, wird vom Tagesgeschäft freigestellt und kann sich voll und ganz aufwändigeren Geschichten zuwenden. «Wir werden versuchen tiefer zu schürfen», sagt Stoll. Ausserdem wolle er vermehrt latent aktuelle Themen aufgreifen, da er nun vom «Wochenkarussell» entlastet sei. Was aber nicht heisst, dass es monatelang keine Stoll-Geschichten zu lesen gibt, weil er nur recherchiert und nicht mehr schreibt. «Bei meinen langfristigen Projekten gibt es immer Zwischenergebnisse, die ich veröffentliche.»
Das Recherche-Desk ist nicht, wie nun der Eindruck entstehen könnte, eine Einzelveranstaltung von Martin Stoll. Zwar gibt es vorerst kein zusätzliches Personal, mit dem eine investigative Abteilung aufgebaut werden könnte, aber dank Synergien mit Reportern und Redaktoren aus verschiedenen Ressorts soll die Recherchekultur gestärkt werden. «Es ist nun meine Aufgabe, dafür ein fruchtbares Klima auf der Redaktion zu entwickeln», sagt Stoll. Ein möglicher und vor allem auch wünschenswerter Effekt dieser Klimaveränderung könnte eine Risikominimierung und damit eine Vermeidung von «Mid-Risk-Journalismus» mit überdrehten Schlagzeilen und dünnen Geschichten sein. Ein Anliegen, dem auch Martin Stoll etwas abgewinnen kann: «Schliesslich wollen wir mit harten Fakten Schlagzeilen machen.»

19. Juli 2010 von Klartext

Tamedia hat Peko-Präsident missbräuchlich gekündigt

Nun steht es fest: Tamedia hat im Rahmen der Massenentlassung beim Tags-Anzeiger im Mai 2009 dem Präsidenten der Personalkommission missbräuchlich gekündigt. Eine entsprechende Klage des Journalisten Daniel Suter gegen seine frühere Arbeitgeberin ist vom Arbeitsgericht Zürich gutgeheissen worden, teilt die Mediengewerkschaft Comedia mit. Das Gericht hat Suter eine Entschädigung von drei Monatslöhnen zugesprochen. Mit dem Urteil, so Comedia weiter, werde eine drei Jahre alte Rechtsprechung des Bundesgerichts relativiert. Das Zürcher Arbeitsgericht komme mit diesem Urteil wieder zurück zum eigentlichen Wortlaut des Gesetzes, das die Arbeitnehmervertreter während ihrer Amtsdauer unter besonderen Kündigungsschutz stelle.

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