11. Dezember 2009 von Bettina Büsser

Wellen im Zürichsee

Während heftig über die Zukunft der „Basler Zeitung“ – Verkauf an die NZZ? An Tamedia? An sonst wen? Oder ganz was anderes? – spekuliert wird, ist es um die „Zürichsee-Zeitung“ ruhig geblieben. Dabei gäbe es auch hier zu reden: „Es geht um die Regelung der Nachfolge; ich bin jetzt 62-jährig“, erklärt Theodor Gut, Verwaltungsratspräsident der Zürichsee Medien AG, gegenüber KLARTEXT: „Der Verwaltungsrat und die Familie haben beschlossen, dass wir diese Nachfolgeregelung bis nächsten Sommer ausgearbeitet haben wollen. Der Verkauf der gesamten Zürichsee Medien AG ist dabei keine Option. Eine von mehreren Varianten ist es aber, Teile der Zürichsee Medien AG zu verkaufen: die Zürichsee Presse AG und die Zürichsee Druckereien AG.“
Gut vergleicht die Situation mit derjenigen bei den Basler Zeitung Medien im Bezug auf die „Basler Zeitung“: „Auch dort werden alle möglichen Varianten überprüft. Wir tun dasselbe; ein Verkauf der „Zürichsee-Zeitung“ ist nur eine davon.“ Bis im Sommer, so Gut weiter, werde es zu diesem Prozess keine weiteren Informationen geben – und „wir werden ganz sicher nicht vor dem Sommer handeln“.
Die Variante „Verkauf“ wird die Redaktion der „Zürichsee-Zeitung“ am meisten beunruhigen. Mögliche Käufer sind Tamedia sowie die NZZ-Gruppe; die NZZ/PubliGroupe-Tochter „Freie Presse Holding“ hält ja bereits eine Minderheitsbeteiligung von 40 Prozent an der Zürichsee Presse AG. Kommt die NZZ zum Zug, ist es gut möglich, dass die „Zürichsee-Zeitung“ über kurz oder lang in einen Mantel eingebunden wird, etwa mit dem „St. Galler Tagblatt“ und der „Neuen Luzerner Zeitung“. Schnappt sich Tamedia die Zürichsee Presse AG, wird sie sich sicher nicht die Doppelspurigkeit von „Zürichsee-Zeitung“ und „Tages-Anzeiger“-Splits in derselben Region leisten – schliesslich wurden die Splits als Kampfmassnahme gegen „Zürichsee-Zeitung“, „Zürcher Unterländer“ und „Zürcher Oberländer“ lanciert.

11. November 2009 von Nick Lüthi

Jetzt reden sie wieder von Revolution

Es ist vorerst nicht mehr als eine Ankündigung: Swisscom will ab dem kommenden Jahr zusammen mit den drei grössten Schweizer Medienhäusern Tamedia/Edipresse, NZZ und Ringier einen E-Reader testen. Und schon sehen einzelne Lohnschreiber aus den beteiligten Verlagen am Horizont eine Revolution heraufziehen; Zeitungsrevolution die x-te. Gemach. Die bisherigen Erfahrungen mit Zeitungsinhalten auf E-Reader-Geräten weisen alles andere als in die Richtung einer Revolution. Der Kindle von Amazon, gerne als Überflieger unter den elektronischen Büchern gehandelt, vermag als Alternative zur Zeitung auf Papier überhaupt nicht zu begeistern. «So mag ich Zeitung nicht lesen», schreibt etwa Marcel Bernet. Anti-intuitive Leserführung, zu kleiner Bildschirm, zu wenig Infos pro Seite. Bernets Fazit: «Abwarten und Papier geniessen.» Auch der Hamburger Journalist Thomas Hillenbrand lässt kein gutes Haar am Kindle. Neben den Kritikpunkten, die auch Bernet nannte, findet Hillenbrand die Adaption der Zeitungsgestaltung für die neue Präsentationsumgebung völlig verunglückt:

Kaum eines der auf dem Kindle erhältlichen Blätter scheint sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht zu haben, wie es seine Inhalte für den E-Reader optimieren kann. Stattdessen werden die Papierausgaben 1:1 übertragen.

Auf Swisscom und die drei Schweizer Medienhäuser wartet also noch einiges an Arbeit, wenn sie dem interessierten Publikum eine brauchbare Alternative zum bewährten Papier bieten wollen. Denn die Skepsis bei der potenziellen Leserschaft ist gross. Und ebenso die Ansprüche an ein elektronisches Lesegerät: Ein E-Reader darf nicht zu viel kosten, der Bildschirm sollte farbig sein und das Ganze soll natürlich Vorteile bringen gegenüber der Papierzeitung. So lauten die Ergebnisse einer Untersuchung von Matthias Born, wie sie bei früherer Gelegenheit im KLAREXT zu lesen waren.

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