9. Oktober 2010 von Ursin Tomaschett

Dranbleiben! Dranbleiben?

…will der Tages-Anzeiger. Dazu lädt er die Leserschaft ein, der Redaktion mitzuteilen, wo die Zeitung auch künftig die Finger draufhalten soll. Mit Kartonpfeilen können Leserinnen und Leser auf den Gegenstand der Berichterstattung hinweisen und Bilder davon auf ein eigens dafür eingerichtetes Blog vom Tagi hochladen.

Wenig amused war man an der Werdstrasse als eine Leserin auf diese Weise wünschte, der Tagi solle an den Entlassungen von Journalisten dranbleiben und ihren Wunsch wiefolgt begründete: “Lesen wir im Tagi bald nur noch Leserbriefe und Pressemitteilungen, weil es in den Redaktionen keine Journalisten mehr gibt, die Geschichten schreiben? Bleibt bitte, bitte dran – und uns erhalten.“ Tamedia reagierte umgehend und löschte den Wunsch kurzerhand.

Einigermassen subtile Kritik an der Personalpolitik des Zürcher Medienkonzerns – jüngstes Beispiel von Mitte September – ist bei Tamedia offenbar unerwünscht. Dranbleiben?

3. Oktober 2010 von Imelda Stalder

Neue Satire-Hauptstadt

Copyright: Satiremagazin Hauptstadt

Jetzt ist es da, das neue Satiremagazin. Es heisst „Hauptstadt“ und damit ist selbstverständlich nicht Bern gemeint, schliesslich ist Bern Bundesstadt und eben nicht Hauptstadt der Schweiz.

Seit gestern ist die erste Ausgabe dieses “sehr, sehr bösen Magazins”, vor dem sich alle zu fürchten hätten, wie Initiant Reda Philippe El Arbi in einem Interview mit persoenlich.com behauptete, am Kiosk erhältlich. Bis jetzt sind die öffentlichen Reaktionen auf den Zürcher Neuling zurückhaltend  wohlwollend ausgefallen.

Das Titelblatt der ersten Ausgabe lässt einiges zu wünschen übrig, der Inhalt des Magazins hat aber durchaus das Zeug dazu, das Publikum zum schmunzeln, die Stirne runzeln, leer schlucken und lachen zu bringen – für Unterhaltung der anderen Art ist auf jeden Fall gesorgt.

So wird unter anderem ein vermeintlich mitgehorchtes Gespräch zwischen den Organisatoren des Zürcher Film Festivals Karl Spoerri und Nadja Schildknecht aufgezeichnet, angebliche SMS von Politikern während der Bundesratswahl abgedruckt, eine Undercover-Recherche bei der Freikirche ICF gemacht. Wohlbemerkt immer mit der sympathischen Narrenfreiheit eines Satiremagazins, das es mit den Rechten und Pflichten der Journalisten nicht so ernst nehmen muss.

Die erste Ausgabe von „Hauptstadt“ erfüllt zwar die im Vorfeld angeheizten Erwartungen nicht ganz, lässt einen aber gerade deshalb gespannt auf weitere Ausgaben warten.

Aktuelles Heft:

 

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