Röstigraben – 16.06.2021

Milena Stadelmann: Lokaljournalismus hat Zukunft

Milena Stadelmann ist Volontärin beim Seetaler Boten in Hochdorf LU und macht die Diplomausbildung Journalismus am MAZ.

Mein erster Artikel erschien in einer Lokalzeitung. Als Reporterin besuchte ich die Kilbi in meinem Dorf, interviewte die Besucher und fotografierte das Geschehen. Danach war es um mich geschehen: Ich wollte in den Journalismus. Ich setzte damals ­den Titel «Lebkuchen und Sonnenschein», der mich heute zum Schmunzeln bringt.

Die Sonne scheint im Lokaljournalismus nicht. Im Gegenteil: Er wird von dichten Wolken überschattet. Die Medienwelt wird immer schneller. News werden im Minutentakt ins Netz geladen und innert Sekunden über die sozialen Medien verbreitet. Die Werbeerträge in den Zeitungen gehen zurück, digital hinken viele Lokalmedien hinterher.

Zugegeben: Manchmal bin ich frustriert. Während die grossen Medienhäuser über nationale oder gar international relevante Themen berichten, kümmere ich mich um Gemeinderatswahlen oder die Vereinsanlässe. Die Suche nach Themen und Quellen ist aufwendig. Und wofür? Für einige wenige Abonnenten aus der Region. Doch genau darin liegen die Stärken einer Lokalzeitung: Sie ist nah an den Leuten, die Themen betreffen das unmittelbare Umfeld der Leserschaft. Und das wird geschätzt. (Es sei denn, es erscheint ein kritischer Artikel im Blatt.) Im Lokaljournalismus muss ich mich auf kein Ressort beschränken. Ich bin Wirtschaftsjournalistin, Politikjournalistin und manchmal sogar People- oder Sportjournalistin. Die Lokalzeitung gibt mir die Möglichkeit, verschiedene Textsorten auszuprobieren. Noch nicht jeder Satz muss perfekt sitzen, ich habe Zeit, mich weiterzuentwickeln.

Ich glaube an die Zukunft des Lokaljournalismus. Die Schweiz braucht eine qualitative Berichterstattung aus der Region, für die Region. Die lokalen Politikerinnen und Politiker verdienen eine Stimme, genauso die Vereine. Um das in Zukunft zu gewährleisten, dürfen die Lokalmedien die Digitalisierung nicht verschlafen. Sie müssen aus alten Mustern ausbrechen und sich an neue Vermittlungsformen herantrauen. Es muss gelingen, junges Publikum zu erreichen. Und wer kennt deren Bedürfnisse besser als junge Journalistinnen und Journalisten? Der Lokaljournalismus gibt ihnen eine Chance, in den Beruf zu starten, und sie können dem Lokaljournalismus eine Chance geben zu überleben.

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1 Kommentar

#1

Von Rolf Meier
20.06.2021
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Leider ist das Lokale, insbesondere auch bei Jüngeren, weder hipp noch sexy. Auch ein qualitativ hochstehender Lokaljournalismus kann 20Minuten online, Facebook, Instagram und Co. schon längst nicht mehr Paroli bieten.
Was also wäre zu tun? «Neue Vermittlungsformen», Online statt Print sind bei Weitem kein genügendes Rezept.

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