Aktuell – 28.06.2015

NZZ: Stellen-Abbau grösser, Zeitungs-Veränderungen kleiner

Neue Ressortleiter, Entlassungen und Frühpensionierungen, baldiger Start von NZZ "Neo": Bei der NZZ herrscht Unruhe.

"Wechsel an der Spitze der NZZ-Ressorts Feuilleton und Zürich" vermeldete die NZZ Mediengruppe am 25. Juni – und gab bekannt, dass Feuilleton-Chef Martin Meyer in den Ruhestand tritt und durch René Scheu, Herausgeber und Chefredaktor des "Schweizer Monats" ersetzt wird. Zudem, so die NZZ, wechsle der bisherige Leiter des Ressorts Zürich, Thomas Ribi, ins Feuilleton, neuer Leiter des Lokalressorts werde Luzi Bernet.

Mehrere Frühpensionierungen

Was die NZZ nicht kommunizierte: Gleichentags wurden auf der Redaktion sieben Kündigungen ausgesprochen; unter den Entlassenen sind auch langjährige Mitarbeitende, die Entlassungen betreffen verschiedene Ressorts. Die Kündigungen wurden alsbald bekannt. Doch es wurden noch mehr Stellen abgebaut. Gegenüber Edito+Klartext sagte NZZ-Sprecherin Myriam Käser es habe "einzelne Frühpensionierungen" gegeben. Intern kursiert dabei die Zahl fünf.

Der Stellenabbau finde im Rahmen des 2013 verabschiedeten Projekts zum Aufbau einer konvergenten Redaktion nach dem Prinzip digital first statt, gab die NZZ auf Anfrage der SDA bekannt, es handle sich nicht um ein Sparprogramm. Kein Sparprogramm, ein Stellenabbau im Rahmen eines Aufbau-Projekts – und dies, nachdem NZZ-CEO Veit Dengler wiederholt betont hatte, bei der NZZ solle die Publizistik ausgebaut werden? E+K fragte bei Myriam Käser nach. "Seit knapp zwei Monaten ist die neue Chefredaktion vollzählig im Amt. Sie hat diese Zeit unter anderem genutzt, um sich die Strukturen und Prozesse in der Redaktion genau anzuschauen", hebt Käsers Antwort an. Man wolle den Ende 2013 beschlossenen Kurs hin zu einer konvergenten Redaktion nach dem Prinzip digital first grundsätzlich weiterführen, so Käser weiter, das damals beschlossene Projekt sei von Beginn weg auf mehrere Jahre angelegt gewesen und habe einen Ausbau der Publizistik vorgesehen, an manchen Stellen auch einen Umbau. "Zum Projekt gehört etwa eine stärkere Arbeitsteilung zwischen fachspezifischen und handwerklichen Kompetenzen in der Redaktion. Deshalb wurden neue Personen mit entsprechenden Kompetenzprofilen eingestellt. Das hat sich grundsätzlich bewährt", schreibt Käser in ihrer Antwort: "Weil bei manchen Stellen veränderte Kompetenzprofile gefordert sind, mussten wir uns auch von einzelnen Personen trennen. Ende Jahr werden wir netto 12 Stellen mehr haben in der Redaktion als Ende 2013, als der Startschuss zum Projekt fiel."

Zu viele Stellen geschaffen?

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Alles unklar? Es scheint, als seien vor Amtsantritt von Chefredaktor Eric Gujer mehr Stellen geschaffen worden als geplant. Dabei waren unter anderen sogenannte "Publizistische Projektverantwortliche" (PPV) – allerdings, so ist aus der Redaktion zu hören, stellte sich etwa die Frage der Abstimmung deren Arbeit mit den Tagesverantwortlichen. Und dass die jetzt erfolgten Entlassungen "auf die Stimmung" in der Redaktion drücken.

Ein Fragezeichen setzen manche auch zum neuen Feuilleton-Chef beziehungsweise zu seinen politischen Positionen. Offenbar kursiert auf der NZZ-Redaktion ein Artikel aus der WOZ, der 2011 unter dem Titel "Der ‚Schweizer Monat’ – reaktionär seit 1921" erschien. Darin heisst es über René Scheu, er sei "wie Köppel und Somm auch ein Bewunderer des grossen Vizevorsitzenden Blocher. Und er dinierte schon mit Tettamanti in dessen Villa in Südfrankreich".

Ebenfalls interessant ist ein Interview, das Scheu im Sommer 2013 der Website des "Ludwig von Mises Institut Deutschland" gab: "Bei Staatsquoten von 50 Prozent von Turbokapitalismus zu reden, ist – gelinde gesagt – ziemlich vermessen. Wir leben, wenn schon, in einer "Mischwirtschaft", im crony capitalism, im System des Interventionismus, in dem jeder staatliche Eingriff einen neuen gebiert, wie Mises gesagt hätte, oder moderner: im Semi-Sozialismus", sagt er darin.

"Neo" wird nicht so wild

Doch vorerst wird sich Scheu wohl weniger um Semi-Sozialismus und mehr um die Darstellung der Feuilleton-Inhalte kümmern müssen: Gegen Ende August wird nämlich das Projekt NZZ "Neo" verwirklicht, die NZZ stellt auf vier Bünde – mit einem fünften Bund am Samstag – um und wird graphisch neu gestaltet. Die Neugestaltung geht aber offenbar sehr viel weniger weit als Pläne dafür, die vor einem Jahr publik wurden (Edito+Klartext berichtete darüber). "Der Anspruch wurde deutlich zurückgeschraubt, die Veränderungen sind nicht so gross", ist aus der Redaktion zu hören.

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1 Kommentar

#1

Von Jan Hudec
29.06.2015
Oh je, diese Sitzung war gemeint ...

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