Aktuell – 02.12.2014

Wenn die 30-Prozent-Quote eingeführt würde …

Der Bundesrat will bei bestimmten Unternehmen eine 30-Prozent-Geschlechterquote in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen einführen. Wie stehen die Medienunternehmen in diesem Bereich da? Von Bettina Büsser

"In wirtschaftlich bedeutenden, börsenkotierten Gesellschaften soll jedes Geschlecht zu mindestens 30 Prozent im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung vertreten sein" – das hat der Bundesrat letzte Woche in einer Vernehmlassungsvorlage zur Revision des Aktienrechts vorgeschlagen. Und natürlich haben die Medien über diesen Vorschlag ausführlich berichtet, meist unter dem Stichwort "Frauenquote".

Als Service dazu lieferte der "Tages-Anzeiger" (Print-Ausgabe) eine Liste von Grossunternehmen, die zeigt, wer denn heute diese Quote erreichen würde. Von den 20 genannten Unternehmen schafft im Bereich Geschäftsleitung kein einziges einen Frauenanteil von 30 Prozent oder mehr, im Bereich Verwaltungsrat sind es gerade mal drei: Nestlé (31 Prozent), Syngenta (30 Prozent) und Zurich Insurance (33 Prozent).

Tamedia steht nicht auf dieser Liste. Doch: Die Geschlechter-Vertretungs-Klausel soll gelten, wenn eine Firma börsenkotiert und wegen ihrer Grösse zu einer ordentlichen Revision verpflichtet ist, also zwei der drei Schwellenwerte "mindestens 20 Millionen Franken Bilanzsumme", "mindestens 40 Millionen Franken Jahresumsatz" und "mindestens 250 Vollzeitstellen" erreicht. Das würde auf Tamedia zutreffen, denn das Unternehmen ist börsenkotiert und erreichte laut Jahresbericht 2013 eine Bilanzsumme von 2, 176 Milliarden Franken, einen Umsatz von 1,069 Milliarden Franken und eine Mitarbeiterzahl von 3 382.

Setzt sich der Bundesrat mit der Geschlechterquote durch, muss Tamedia im Frauenbereich noch hart arbeiten: Zwar sind im Verwaltungsrat von den 7 Mitgliedern 2 Frauen (also mit 28,57 Prozent fast 30 Prozent), doch bei der siebenköpfigen Unternehmensleitung schreibt das Unternehmen einen glatten Nuller – keine einzige Frau ist dabei.

Die übrigen grossen und mittleren traditionellen Medienunternehmen der Schweiz sind allesamt nicht börsenkotiert*, würden also nicht unter die vom Bundesrat vorgeschlagene Regelung fallen. EDITO+KLARTEXT hat dennoch einen Frauen suchenden Blick in die Unternehmensleitungen und Verwaltungsräte geworfen und folgende Zahlen gefunden:

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AZ Medien:
Verwaltungsrat: 5 Männer (Frauenanteil: 0 Prozent)
Unternehmensleitung: 6 Männer (Frauenanteil: 0 Prozent)

NZZ Mediengruppe:
Verwaltungsrat: 6 Männer, 3 Frauen (Frauenanteil: 33,33 Prozent)
Unternehmensleitung: 9 Männer, 1 Frau (Frauenanteil: 10 Prozent)

Ringier:
Verwaltungsrat: 5 Männer, 1 Frau (Frauenanteil: 16,666 Prozent)
Group Executive Board Ringier AG: 3 Männer, 1 Frau (Frauenanteil: 25 Prozent)

Somedia:
Verwaltungsrat: 6 Männer, 1 Frau (Frauenanteil: 14,285 Prozent)
Unternehmensleitung: 6 Männer, 1 Frau (Frauenanteil: 14,285 Prozent)

SRG:
Verwaltungsrat: 7 Männer, 2 Frauen (Frauenanteil: 22,22 Prozent)
Geschäftsleitung: 6 Männer, 1 Frau (Frauenanteil: 14,285 Prozent)

Auch wenn AZ Medien, NZZ Mediengruppe, Ringier, Somedia und SRG keine vorgeschriebene Geschlechter-Quote droht, gilt doch zu berücksichtigen: 50,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung – und damit der potentiellen Kundschaft der Medienhäuser – sind Frauen.

*Ausnahmen: APG, Goldbach Media und PubliGroupe.

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