Aktuell – 24.06.2018

Der Doppeladler: Eine nötige Geste

Die Gesten von Xhaka und Shaqiri erweisen sich im Nachhinein als notwendig. Denn sie erinnern die gesamte Schweiz daran, dass sie ein Einwanderungsland ist.

Nina Fargahi

Wie muss sich ein Schweizer Nationalspieler fühlen, wenn er sowohl im Inland als auch im Ausland als «Balkansöldner» bezeichnet wird? Auf diese unsäglichen und im Kern rassistischen Provokationen haben die Fussballspieler Xhaka und Shaqiri durchaus gelungen und auf ganz persönliche Art reagiert. Ja, es spielen mittlerweile Secondos in unserer Nationalmannschaft. Und sie fahren Erfolge ein – für die Schweiz!

Der grosse Aufruhr wegen dieser doch eher «harmlosen» Geste, wie Enver Robelli schreibt, zeigt deutlich auf: Nicht unsere Fussballspieler sind das Problem, sondern die Medien und alle, die sich der Illusion einer (nie existierenden) «Heidi-Schweiz» hingeben, wo alle entweder ethnisch rein sind und falls nicht, sie doch bitte einfach die Klappe halten und tun sollen, was man von ihnen verlangt.

Bezeichnend für diese Haltung sind die gemässigteren Kommentare etwa in der «NZZ» und «Sonntagszeitung». Sie schreiben, die Doppeladler-Gesten würden eine Diskussion über Zugehörigkeit entfachen, die für beendet erklärt worden sei. Wären diese Diskussionen wirklich geführt worden, wären solche heftigen und vollkommen unangemessenen Reaktionen in Medien und Politik ausgeblieben. Niemand würde erwarten, dass sich ein Fussballspieler für eine «Nation» zu entscheiden habe, wie dies etwa die CVP-Nationalrätin Kathy Riklin fordert. Ist denn dieser Entscheid nicht schon längst gefallen, wenn ein Fussballer mit dem Schweizer Trikot aufläuft und sein Bestes gibt? Rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung weist gemäss Bundesamt für Statistik einen Migrationshintergrund auf. Jedoch ist dieser Umstand offensichtlich nicht in allen Köpfen und Redaktionsstuben angekommen.

Klare und beschwichtigende Worte fand Bundesrat Cassis, der die Fussballer in Schutz genommen hat. Für ihn sei die Mannschaft ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung verschiedener Kulturen. Dies gilt nicht nur für die Mannschaft, sondern für die Schweiz als Gesamtes. Die neue Schweiz ist bereits Realität. «Dumm und dämlich», wie der Moderator Sascha Ruefer die Gesten unserer Fussballer kommentiert hat, ist nicht die Gebärde selbst, sondern die gehässigen Reaktionen darauf.

Die Gesten von Xhaka und Shaqiri erweisen sich im Nachhinein als notwendig. Denn sie erinnern die gesamte Schweiz daran, dass sie ein Einwanderungsland ist. Und sie zeigen damit auf, wie unbedarft die Ansichten immer noch sind und wie dringend der Diskussionsbedarf ist. Es ist an der Zeit, dass über diese neue Schweiz diskutiert wird. Zusammen mit allen Schweizer Einwohnerinnen und Einwohnern. Dazu gehören ebenfalls die neuen Schweizerinnen und Schweizer. Und auch die, die es noch werden oder auch nicht werden wollen. In diesem Sinne: Hopp Schwiiz!

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#1

Von Lena
25.06.2018
Das Problem war ja weniger, dass die zwei damit auf ihre Wurzeln aufmerksam machten, sondern dass sie bewusst und absichtlich ihre verlierenden Gegner provozierten, deren Land mit dem Kosovo in heftigstem Krieg stand. An einer WM in Russland, das Serbien gegen den Kosovo unterstützte. Ist schon ein heikles Thema.
Finde aber auch, dass nicht die Schweizer sich deshalb betüpft fühlen sollten! Sie sollen sich über die zwei wunderschönen Tore freuen! Wenn, dann können sich die gegnerischen Spieler die Münder zerreissen.

#2

Von Roseta
25.06.2018
Das Zeichen ist uralt. Es datiert seit dem 6 Jhr./ vor Chr. und bedeutet "die Kraftquelle des Ursprungs (Wachsamkeit des Adlers, als Gottheit der Illyrischen Antike)". Das ist ein Zeichen des Triumphs (des Könnens, der Wachsamkeit!)
Es hat nichts mit der gegenwärtigen Politik zu tun, wie von Serben politisiert und fehlinterpretiert. *Die Debatte, ist purer Quatsch und stellt das wunderschöne Spiel und die super Tore im Hintergrund. Schade, dass diese destruktive Politik der Serben 'fast alles zu zerstören versucht'. Sogar die Verwendung eines Zeichens, dass eine tiefgründigere Bedeutung hat.

Ich glaube nicht, dass unsere Spieler (Xhaka, Shaqiri & Co.) theoretisch von dieser Bedeutung wissen. Sie greifen intuitiv auf die Geste zu. Und wenn man die (Re-)Aktionen auf dem Fussballfeld sieht, JA Xhaka & Shaq waren WACHSAM und präzise wie ein Adler. Vielen Dank dafür! 😊😊👍🏻 In diesem Sinne, schönen Tag und weiterhin "Hopp hopp Schwiiz" 😊👍🏻⚽️⚽️

#3

Von Tim Tassonis
26.06.2018
@Roseta: "Es datiert seit dem 6 Jhr./ vor Chr. und bedeutet "die Kraftquelle des Ursprungs (Wachsamkeit des Adlers, als Gottheit der Illyrischen Antike)". Das ist ein Zeichen des Triumphs (des Könnens, der Wachsamkeit!) "

Hast Du irgendeine Quelle für diese Behauptung? Ich habe auch schon versucht, mehr über die Illyrer rauszufinden, was allerdings sehr schwierig scheint, da von ihnen ausser griechischen und römischen Ueberlieferungen nichts erhalten blieb. Meines Wissens haben sie wie die Kelten nicht geschrieben.

Wäre Dir sehr dankbar für irgendwelche seriöse Quellen, wo derartige Informationen zu finden sind.

#4

Von Nazmi
27.06.2018
FIFA IST BLIND UND TAUB! Serbische Mordrufe, Flaschenwerfen, Verachtung der Schweizer Hymne, Verherrlichung von einem verurteilten Kriegsverbrecher...Diese Mannschaft gehört raus aus der WM! Und nicht mit harmlosen und friedlichen Doppeladler versuchen gleichzustellen!

#5

Von Philippe Welti
29.06.2018
Es geht nicht darum, ob die Schweiz-Albaner nun "richtige" oder "unrichtige" Schweizer sind. Auch nicht darum, dass die andere Seite auch provoziert hat.
Es geht um das Schüren von Hass, Nationalismus und Krieg in einem unbewähltigten Konflikt. Warum müssen Xakha und Shaqiri Salz in die Wunden eines unbewältigten Konfliktes auf dem Balkan streuen?

#6

Von Barbara
12.07.2018
Etwas spät entdeckt, aber umso glücklicher über diesen Text, danke Moni für diesen post

#7

Von Leonardo
17.07.2018
Dass der Kosovo bisher von Serbien nicht als unabhängig anerkannt worden ist, kann man kaum als ein Verbrechen der Kosovaren bezeichnen, oder? Dass Shaquiri und Xhaka sich mit dem Herkunftsland ihrer Länder solidarisieren ebensowenig. Dass den beiden Fussballern Leichtfertigkeit vorgeworfen wird, weil sie von der FIFA verbotene politische Symbole während eines Fussballspiels zur Schau tragen, ist genauso fraglich. Wenn die FIFA wirklich keine Politik im Fusball haben möchte, dann könnten sie damit beginnen, das Singen der Nationalhymne vor jedem Match abzuschaffen.

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