Briefe, Fundstücke u.a.m. – 12.05.2017, 10:55

«Republik» sammelt, Tamedia spart

Zugegeben: Die Spannung ist ein bisschen draussen. Die «Republik», beziehungsweise das Crowdfunding für dieses digitale Magazin, das nur auf Abonnentinnen und Abonnenten setzt, als «kleine Rebellion für den Journalismus und gegen die Medienkonzerne» antritt, ab 2018 dann auch wirklich Inhalte bieten wird, fand gleich von Anfang an so reissende Nachfrage, dass dieses hier erreicht wurde: ein Weltrekord im Crowdfunding für ein Medienprojekt, rund 11‘500 Abonnentinnen und Abonnenten fürs erste Jahr*, die fast 2,9 Millionen Franken* aufwerfen.

Dabei ging es eigentlich – so die Ankündigung des Projektteams – darum, zwischen dem 26. April und dem 31. Mai 3000 Abonnentinnen und Abonnenten und damit 750‘000 Franken zu gewinnen und so quasi den «Markttest» zu bestehen, der dann die bereits zugesagten 3,5 Millionen Franken von Investorinnen und Investoren auslösen würde.

Dieser Markttest, wissen wir mittlerweile, ist nicht nur gelungen, sondern die Zahlen wurden sehr weit übertroffen. Das freut. Denn es zeigt, wie viele Leute Journalismus wollen. Und mehr Journalismus wollen, als heute in der Schweiz verfügbar ist. Oder vielleicht auch noch anderen Journalismus, als heute in der Schweiz verfügbar ist. Es zeigt, dass Leute bereit dafür sind, für Journalismus zu bezahlen, sogar wenn er noch gar nicht stattfindet. Und es zeigt natürlich auch: Die «Republik»-Leute verstehen verdammt viel von Marketing.

Nach der ersten Nachfrage-Explosion – bis hin zum Schlangenstehen für ein Abo – hat sich das Tempo des Crowdfundings nun doch ziemlich verlangsamt. Die «Republik»-Leute legen sich aber weiterhin ins Zeug und tingeln durchs Land. Und vielleicht trägt ausgerechnet Tamedia dazu bei, dass das Crowdfunding nicht einfach stehen bleibt. Denn das Medienunternehmen, das für 2016 einen Gewinn von 122,3 Millionen Franken auswies, arbeitet, wie eben bekannt wurde, wieder einmal an einem Sparprogramm. Dafür werden Szenarien wie Einsparungen in den einzelnen Redaktionen oder «die Schaffung von grösseren Einheiten», also die titelübergreifende Zusammenlegung von Ressorts geprüft.

Sparen auf Redaktionen bedeutet immer auch: weniger Journalismus. Denn Journalismus besteht aus Arbeit und kostet deshalb Geld. Tamedia (und andere) schrumpfen sparenderweise den Journalismus – und liefern so beste Argumente dafür, den künftigen Journalismus der «Republik» zu unterstützen.

 

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*Stand 12. Mai, mittags

 

Bettina Büsser

Redaktorin EDITO